Kuriose Brauchtümer und Traditionen in München

In aller Hergottsfrüh schmeißen sich wieder tausende Münchner in Tracht und auch wir machen uns um 2 Uhr Nachts auf den Weg in den Englischen Garten.

Wirklich eine unchristliche Zeit, nur um einen guten Tisch im Biergarten zu ergattern.

Brezn, Obazda, Radiserl und alles was das bayerische Herz höher schlagen lässt ist mit im Gepäck. In Münchner Biergärten ist es Gang und Gebe die Verpflegung selbst mit zu bringen. Nur Getränke müssen vor Ort gekauft werden.

Hinter dem ganzen "Tam-Tam" steckt eine jahundertalte Münchner Tradition!

 

Was ist der Kocherlball und was bedeutet "Kocherl" überhaupt?

Der Kocherlball geht bereits auf das 19. Jahrhundert zurück.

Das Wort „Kocherl“ steht für Dienstmägde, Diener, Haushälterinnen und vor allem das Küchenpersonal, die Köchin, die so genannt wurden.

Seit ca. 1880 trafen sich jeden Sonntagmorgen die einfachen Leute zum Tanz. Köchinnen, Gärtner, Zimmer- und Kindermädchen, Zofen und viele andere Dienstboten und Diener versammelten sich am Chinesischem Turm. Von ca. 5 Uhr bis 8 Uhr morgens war die einzige Zeit, in der die so genannten "Kocherl" keinen Dienst verrichten mussten, da die Hausherren in der Kirche waren.

Im Jahre 1904 wurde der Kocherlball aus „Mangel an Sittlichkeit“ jedoch wieder verboten. Erst 1989 zum zweihundertjährigen Bestehen des Englischen Gartens, wurde er erstmals wieder durchgeführt.

Seitdem findet der Ball einmal jährlich am dritten Sonntag im Juli und bei starkem Regen eine Woche später statt.

Bis zu 15.000 Gäste kommen jedes Jahr im Trachten-Gwand und feiern, so lange sie mögen.

Es wird getrunken, gegessen und getanzt. Im Vorfeld werden sogar extra Tanzkurse angeboten. Diese finden dann donnerstags vor der Veranstaltung im Hofbräuhaus statt.

 


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Lohnt sich das frühe aufstehen überhaupt? Wie wir den Kocherlball erlebt haben:

Wir ergattern uns also in der besagten Nacht zum Sonntag 2 Tische und dekorieren diese mit Kerzenleuchter, Blumen und unserer Brotzeit.

Eine romantische Stimmung liegt in der Luft. Es ist noch dunkel und der Biergarten wird nur durch ein Kerzenlichtermeer erhellt.

Der Ausschank findet bereits ab 2 Uhr nachts statt. Zum Einstieg gibt es also erstmal ganz gepflegt eine halbe mini Radler Mass. Das ist super für uns Mädels, da die kleine Mass nicht so schnell lack wird wie die klassische 1 Liter Mass.

Ein Bier am morgen ist übrigens nicht unbedingt etwas ungewöhnliches in Bayern. So haben schon die Großeltern das so genannte "Frühshoppen" vollzogen. Im Grunde genommen steht das für die Zusammenkunft am Stammstisch zum ersten morgendlichen Weißbier.

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Durchmachen oder Aufstehen?

Wir haben uns tatsächlich für einen kurzen "power-nap" entschieden und stellten den Alarm auf 1:00 Uhr. 

Ab spätestens 5 Uhr ist dann auch jeder Tisch belegt und es wird langsam hell.

Ab 6 Uhr morgens spielt dann auch die Blaskapelle auf der großen Bühne. Außerdem tanzt ein Tanzpaar der Menge vor und alle üben fleißig beim Kocherltanz mit.

Bis mittags wird munter gefeiert und eine richtig nette Biergarten Stimmung kommt auf.

Den Kocherlball sollte man auf jeden Fall mal miterlebt haben. Das frühe Aufstehen hat sich wirklich gelohnt!

 

Warum ist Tradition bei den jungen Generation gerade so angesagt?

Tradition ist In und man hält daran fest. Zwischen Generationen werden Brauchtümer und Sitten weitergegeben. Doch Neuerdings erlebet unser kulturelles Erbe eine enorme Beliebtheit. Neu interpretiert wird unsere Tradition wieder aufgelebt.

Heimatverbundenheit wird vor allem auch durch unsere geliebte Tracht zum Ausdruck gebracht.

Die Tracht gibt uns ein besonderes Zugehörigkeitsgefühlt.

Früher war daran garnicht zu denken. Tradition und Brauchtum galten als hinterwäldlerisch und altmodisch. Doch die Klischees haben sich längst überholt. Bayern ist jetzt cool. Dirndl und Lederhosen werden nicht mehr als Verkleidung gesehen, sondern sind Ausdruck eines besonderen Lebensgefühls, mit dem sich vor allem die junge Generation identifiziert.

Es gibt kein "Entweder-oder". Man muss sich nicht entscheiden zwischen Tradition und Moderne, man nimmt beides und zeigt gerne wo man herkommt.

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Was war "früher" anders? Welche neuen Trends gibt es?

Der Trend beim Gesamtlook geht tatsächlich wieder zurück zum schlichten und traditionellen. Die Knie wollen bedeckt sein und der Ausschnitt nicht zu opulent. Bedruckte Stoffe aus Leinen oder Baumwolle haben die Nase besonders weit vorn. Aber vor allem bei den Schnitten hat sich einiges getan. Trachtenblusen für Damen werden schmaler. Weniger Puffärmel und Carmenblusen. Dafür viel Spitze und gerne mal hochgeschlossen.

Auch die Herren tragen die Trachtenhemden gerne taillierter. Stehkragen und unifarbene Hemden machen dem karierten Klassiker in dieser Saison mächtig Konkurrenz. 

Kombiniert wird mit schlichten, schmal geschnittenen Westen und Trachtenjankern und einer kurzen Hirschledernen.

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