Die Geschichte der Tracht

Wie sieht es in den einzelnen Regionen aus. Was unterscheidet die Münchner zum Umland.

Gibt es im Ausland vergleichbare Festgewänder?

Wieso hat es so lange gedauert bis die Tracht auch den nördlicheren Teil Deutschlands erobert hat?

Woher kommt der plötzliche Hype?

Viele Fragen die uns alle schon lange interessieren und deshalb haben wir ausgiebig recherchiert.

Fangen wir von vorne an. Wo ist der Ursprung?

Die Ursprungstracht hat es in dem Sinn nie gegeben. Es gab keine einheitlichen Uniformen, wie man sich das öfter mal vorstellt.

Die Tracht war stets von modischen Einflüssen geprägt.

Jedes Land und jede Region hat seine ganz eigene Tradition. Je nach Stand oder Beruf unterschied sich die Tracht stark.

An der Tracht lies sich also nicht nur ablesen aus welchen Dorf der Träger stammt, sondern auch Beruf, Stand und Vermögen.

Auch den Heiratsstand einer jungen Frau und ob die heiratswillig war, konnte man anhand der Schleife ablesen. Ja, das war schon damals so. Und auch heute noch ist die Schleife ein heiß diskutiertes Thema. Dazu könnt ihr euch nochmal in unserem Blogpost "wie-binde-ich-meine-dirndl-schleife-richtig" erkundigen, damit ihr beim nächsten mal mit der Positionierung eurer Dirndlschleife zum Ausdruck bringen könnt in welchem Beziehungsstatus ihr euch befindet.

Ob Witwe, jungfräulich oder bereits verheiratet. Dieses nonverbale Kommunikationsmittel nutzen wir offensichtlich auch heute noch gern. Allerdings in einer abgewandelten Form ;-)

Die Ursprünge der Tracht finden sich um 1600 als der Wohlstand vor allem in Süddeutschland groß war.

Dies begründet wahrscheinlich auch, warum die Tracht hier nach wie vor stärker ausgeprägt ist als anderswo.

Tracht ist angesagter denn je. Hochwertig soll sie sein, ein Markenprodukt. Man zeigt was man hat.

Die Tracht gibt uns ein Gefühl von Heimat und bringt zum Ausdruck wo man hingehört. Die Tracht erdet uns und pflegt unsere Tradition.

Eigentlich ähnlich wie schon damals.

Tradition ist In. Waschdirndl, Vintage, sogar "second hand", je mehr das Gewand an früher erinnert umso besser.

Unabhängig vom sozialen Hintergrund spiegelt die Tracht die Zugehörigkeit zu einer Gruppe wider, die sich von allen anderen unterscheidet.

„Bayern des samma mia“ Heimatverbundenheit und Tradition wird zur Lebenseinstellung, welche Bewahrt werden will.

Dadurch, dass unsere Gesellschaft immer mobiler wird, werden lokale Aspekte immer wichtiger.

Die Tracht war schon immer stark von äußeren Einflüssen, Regionen und Trends geprägt. Sie wurde immer wieder verändert und vor allem auch von den Bauern neu erfunden, um dem prunkvollen Adel gleich zu ziehen. Auch der Bauer wollte wie ein Weltbürger aussehen und orientierte sich an internationalen Kleidungsstilen.

Die bäuerliche Tracht war also ebenso wie die städtische Kleidung dem Wandel der Mode unterworfen.

Da der Großteil der Bevölkerung allerdings ärmlicher war, erreichten neue Modeeinflüsse sie also nur auf drei Wegen: Durch ortsansässige Adlige und reiche Bürger, die auch mal in die Weite Welt reisen konnten und von dort fremdländische Moden mitbrachten, oder durch einen Besuch im Nachbarort.

Es kamen immer neue Ideen und Inspirationen dazu, welche die ursprüngliche Tracht Stück für Stück erweiterten oder veränderten.

Die wohl bekannteste Deutsche Tracht ist die Miesbacher Tracht.

wikimedia.org MB-Tracht_paar

Quelle: wikipedia.org

Aber natürlich gibt es auch in weiten Teilen Deutschlands andere traditionsreiche Tracht. Auch im Ausland finden sich ähnlichen Gewänder, die sich aber trotzdem im Detail allesamt stark unterscheiden.

Leder war damals als widerstandsfähiges Material seit Jahrhunderten in Bayern für Hosen gebräuchlich. Das Vorbild der Lederhose waren einst Kniebundhosen, die der Adel trug.

Man kürzte sie einfach in der Länge und fertig war die praktische Arbeitshose in der man nicht schwitze.

Da König Ludwig der II ein großer Fan der Lederhose war, ließ er überall im Land Trachtenvereine gründen. Dann haben wir ihm wohl auch ein Stück weit die Traditionserhaltung zu verdanken. 

Alles was ihr noch zur Lederhosen wissen müsst, findet ihr auf unserm Blog 

"Was muss ich beim Kauf einer Lederhose beachten?"

Auch das Charivari hat eine besondere Geschichte. Es handelt sich dabei nicht einfach nur um Schmuck, sondern tatsächlich um eine kleine Trophäensammlung.

Die Silberkette wurde Beispielsweise mit Talismanen, Bergkristallen, Silbermünzern, verkümmerten Rehgeweihen, Tierpfoten, Zähnen oder Knochen behangen.

Das Schmuckstück wurde von Generation zu Generation weitervererbt und erweitert.

Diejenigen die so ein wertvolles Erbstück besitzen, können sich also Glücklich schätzen. Das ist schon etwas besonderes.

Quelle: pinterest.de

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Mit der Bewerbung Münchens für die Olympischen Spiele 1972 brauchte die Stadt einen Widererkennungswert, der München in aller Welt bekannt macht. So wurde Mitte der 60er-Jahre eine eigene Tracht kreiert. Sogar die spätere Königin Silvia von Schweden trug als Hostess eines der blauen Exemplare. Viele Schlagzeilen folgten und jede Frau wollte ab sofort auch ein Dirndl haben

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Quelle: br.de / Quelle: pinterest.de

In den meisten Teilen Bayerns wird im Alltag die Tracht keine getragen. Im südlichen Oberbayern sowie im Allgäu wird Tracht jedoch häufiger getragen. Damen tragen Dirndl, bei Herren beobachtet man oft auch Kombinationen von Lederhosen mit trachtenuntypischen Kleidungsstücken wie Turnschuhe und einem normales Shirt.

Allerdings ist in den Vereinen, zu festlichen Gelegenheiten, Familienfeiern und Hochzeiten das Tragen von Tracht in ganz Altbayern üblich.

Einen kleinen Einbruch erhielt die Tracht in den 70er Jahren. Es war gar nicht daran zu denken sich in eine Tracht zu schmeißen.

In den 80er-Jahren kam die Welle des Sackdirndls. Landhauskleider und Tracht im Jute Stil kombiniert mit Jeans. So sah es größtenteils auf dem Oktoberfest aus.

Landhaus-Dirndl-Trachtenkleid

Quelle: picclickimg.com

Vor 10 Jahren fing die Jugend die damals 16 oder 17 Jahre alt war, sich wieder mit Dirndl und Lederhose zu beschäftigen.

Auch wir gehören zu der Jugend, die sich damit womöglich von der vorhergehenden Generation abgrenzen wollte.

Heute übertragen wir unseren Alltagsstil auf die Tracht. Auch das, macht das tragen von Dirndl oder Lederhose heute so attraktiv.

Keiner will als „Zuagroaster“ oder Tourist gelten und schmeißt sich in die Tracht. Alle wollen dazugehören, zu der wachsenden Fangemeinde und der Gemeinschaft.

In diesem Sinne auf die Erhaltung der Tradition...

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