Bayerisches Trachtenlexikon

Fastenzeit: In den Wochen zwischen Fasching und Ostern verzichten einige auf Süßes, Alkohol, Fleisch und noch vieles mehr. Doch die Fastenzeit steht bei uns nicht nur viel Entbehrungen, sondern auch für Starkbierfeste. 

Die Starkbierzeit in Bayern ist mit dem Politiker-"Derblecken" verbunden. Dabei werden herausragende politische Persönlichkeiten beim Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg - dem bekanntesten bayerischen Starkbierfest - auf humoristische und ironische Weise kritisiert.

Und weil jeder Münchner, der etwas auf sich hält, mindestens einmal in seinem Leben schon mal auf dem Nockherberg war, ist ein gewisses Grundwissen in Sachen Tracht unbedingt notwendig. Und weil auf solchen Festen der bayerische Dialekt noch gepflegt wird, gibt’s von uns jetzt einen kleinen Einführungskurs in Sachen bayerischen Trachtenlexikon

A

Aufbrezeln

Passend zu einem schicken Dirndl muss natürlich auch der restliche Look stimmen. Beim Aufbrezeln macht man sich daher besonders schick und holt das Beste aus sich raus. Das reicht von Make-Up bis hin zur Frisur. 

B 

Biesen

Biesen sind abgesteppte Falten, die bis zu einem Zentimeter breit sind und nach außen flach umgebügelt werden. Biesen lassen sich vor allen Dingen auf der Schürze oder auf dem Dirndlrock finden. Meist sind es mindestens drei oder mehr parallellaufende Biesen.

Bscheisserl

Der sichtbare Teil der Dirndlbluse wird auch Bscheisserl genannt, da die Dirndlbluse nur so kurz ist, das sie unter der Brust aufhört und optisch sozusagen eigentlich „bescheißt“. Schließlich ist sie keine echte, ganze Bluse, sondern nur eine kurze Version. 

C

Charivari

Charivari ist eine silberne Kette, an der sich Goldmünzen, kleine Jagdtrophäen, Edelsteine oder Edelkristalle befinden. Das Charivari wird traditionell verschenkt, nicht gekauft. Ursprünglich ist das Charivari eine Schmuckform zur Lederhose. 

Charivari Groß 
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 Charivari Münz
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D

Dirndl 

Ein Dirndl ist ein bayerisches und österreichisches Trachtenkleid, das gegen Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts erfunden wurde und heute vielfach als alpenländische Tracht angesehen wird. Dirndl ist eine Verkleinerungsform von Dirn – der bayerisch-österreichischen Variante vom hochdeutschen Dirne – und bezeichnet schlicht ein junges Mädchen. Bis etwa Mitte des letzten Jahrhunderts war Dirn auch die gebräuchlichste oberdeutsche Bezeichnung für eine in der Landwirtschaft beschäftigte Magd. Ein von ihr getragenes Kleidungsstück bezeichnet man als Dirndlgewand. Heutzutage wird der Ausdruck vielfach zu Dirndl verkürzt.

E

Edelweiß

Das Edelweiß ist eine der bekanntesten und symbolträchtigsten Alpenblumen. 

Um die alpine Pflanze ranken sich immer mehr Mythen. Nur verwegenen Kletterern gelänge es, ein Edelweiß zu pflücken. Es verkörpere Werte wie Mut, Treue und Gemeinschaft. Das Edelweiß solle gemäß solchen Mythen aus Tränen entstanden sein, welche die Eisjungfrau über die Untreue ihres geliebten Jägers vergoss. Vor ihrem Todessprung zauberte sie darauf Tränen in Form von Edelweißsternen an den dortigen Felsen. 

Da die Blume nur in hochalpinen Regionen zu finden ist, gilt sie als Symbol zahlreicher alpiner Vereine und Verbände. Daher schmückt sie häufig die Tracht und ist auf Lederhosen oder Gürteln zu finden. 

Froschgoscherl / Froschmäulchen

Froschgoscherl sind handgefertige Rüschen. Meistens sind sie am Dirndlausschnitt, manchmal aber auch an aufwendigen Dirndlschürzen zu finden. 

 Dirndl Nele Silver Slate
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G

Gamsbart 

Der Gamsbart ist ein zur Tracht gehörender, in Teilen Österreichs und Altbayerns gebräuchlicher Hutschmuck bei Männern aus Gams-Haaren.

Der Gamsbart wird aus den Rückenhaaren erwachsener Gamsböcke büschelförmig oder auch fächerartig gebunden. Die hellen Spitzen, der sogenannte „Reif“, sind bei echtem Gamshaar nur wenige Millimeter lang. 

H

Haferlschuhe

Der Haferlschuh ist ein traditioneller Schuh, der zur Tracht getragen wird. Die meisten modernen Haferlschuhe zeigen folgende Merkmale:

  • Zwiegenähte Machart
  • unter dem Knöchel tief ausgeschnittener Schaft
  • Schuhspitze mit nach unten hin rechtwinkliger Schaftkante
  • Schuhspitze aufgeworfen in Form eines Schiffsbugs (Schiffchen)
  • Gummiprofilsohle
  • starke Spitzensprengung
  • hoch gezogenes Fersenteil
  • kein Schaftfutter

 

Herzalrüsche

Eine Herzalrüsche ist eine durch besonderes Raffen des Stoffes geformte Borte an Trachtenkleidern, die sehr vielseitig eingesetzt werden können. Den Namen hat sie natürlich von ihrer Form, die an ineinandergestapelte Herzen erinnert.

Hirschlederne

Je hochwertiger eine Trachtenhose ausfällt, desto länger wird man sie tragen können. Die hochwertigen Ledersorten sind Hirschleder, gefolgt von Reh- oder Wildbockleder sowie Veloursleder. Für eine echte Hirschlederne muss man schon mal knapp tausend Euro investieren. Die Patina auf dem Leder stellt sich erst nach mehrfachem Tragen einer Lederhose ein. Sie gilt als Qualitätsmerkmal, nicht etwa als Grund, eine neue Lederhose zu kaufen. Farblich kann eine Trachtenlederhose traditionell aus hellem, braunem oder dunklem Naturleder bestehen. Sie kann unbestickt bleiben oder durch mehr oder weniger aufwendige Applikationen und Stickereien auffallen.

J

Janker / Joppe

Seit dem Ende der 1960er Jahre ist der Janker aus der klassischen Trachtenmode nicht mehr weg zu denken. Ursprünglich war dieser früher grau oder grün. Auch heute noch ist uns der traditionelle Bezug wichtig. Die Janker sind überwiegend in gedeckten Farben und traditionellen Materialien wie Loden oder Leinen erhältlich. 

 Janker Jeremy Indigo Blue
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K

Kittlblech

Ein Kittlblech ist der doppelte Rocksaum eines Dirndls. Je nach Dirndl besteht das Kittlblech aus Borten oder Stoffen. Die Breite varriert nach Tracht stark. Meistens ist sie jedoch zwischen 4-10 cm breit.

 Dirndl Rosi "Lady Stripes" mit Kittelblech
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L

Loferl

Ursprünglich reichen die Loferl vom Knie bis zu den Knöcheln und wurden aus naturweißer, gesponnener Schafwolle gestrickt. Welche Strümpfe du zur Trachtenlederhose tragen, sagt viel über dein Stilbewusstsein aus. Perfekt sind handgestrickte Strümpfe oder zumindest in Handstrickoptik, die sich maschinell gut herstellen lässt.

Farblich reicht die Palette von Weiß, Natur- und Beigetönen bis zu Nuancen in Braun oder Grau. Damit die Kombination aus Loferln und Haferlschuhen optimal zur Geltung kommt, muss man auf die Länge der Strümpfe achten. Zur kurzen Lederhose passen kürzere oder geschoppte Strümpfe. Zur Kniebundhose sollte man entweder geschoppte Loferl oder Strümpfe bis übers Knie, die dann unter der Hose verschwinden, tragen.

M

Mieder

Das Oberteil des Dirndls. An das Oberteil wird der Rock genäht. Häufig ist der Miederstoff anders als der Stoff des Unterrocks sowie der Schürze. 

P

Passepoil

Ein schmaler, erhabener Nahtbesatz an Kleidungsstücken. Der Passepoil besteht aus einem schräg gefaltenem Stoffstreifen, zwischen dessen Lagen eine Schnur eingelegt wird. Er findet an den Ausschnittskanten oder bei Teilungsnähten Anwendung.

S

Schößchen

Das Schößchen ist eine in Falten gelegene Verlängerung des Leibs.

Dirndl Rosi "Blue Stripes" 
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Säckerlnaht

Die Säckerlnaht ist eine besondere Nahtform, die bei handgearbeiteten Lederhosen verwendet wird. Man näht dabei die Lederkanten nach außen sichtbar zusammen. Zwischen zwei Lederteilen liegt ein zusätzliches Futterleder. Dieses Leder ist heller, die Säcklernaht trägt deshalb auch den Namen "gelbe Naht". Die Naht wird doppelt genäht. 

Anschließend schneidet man die Nahtzugaben ab, im Schritt wird die Naht zusätzlich mit sogenannten Rückstichen gesichert. Die Säckerlnaht ist ein Qualitätsmerkmal bei sehr hochwertigen und aufwendig verarbeiteten Lederhosen.

T

Trachtenhemad

Passend zur Lederhose muss natürlich auch das Hemd im selben Stil gehalten sein. Details wie Knöpfe aus Hirschhorn zeichnen das Trachtenhemad aus. Typisch für CocoVero sind unsere Trachtenhemden tailliert geschnitten. 

 Trachtenhemd Finley "Kentucky Blue"
22-03-Blogpost

 

W

Wolfszähne

Eine spezielle Art der Auszier am Dirndl, ähnlich wie Borten oder Rüschen. Allerdings sind die im Verhältnis zu anderen Schmuckformen kaum noch zu finden.

Z

Zwickel

Beim Zwickel handelt es sich um einen keilförmigen Einsatz aus Leder. Der Zwickel wird am rückwärtigen Teil der Lederhose in Bundhöhe eingesetzt. Der Sinn eines Zwickels besteht darin, dass sich damit die Bundweite anpassen lässt. Die Hose kann also damit weiter oder enger gemacht werden.

 

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